Be expected

31. Oktober, 2019; 2:02

Der ehrliche Niko

30. Oktober, 2019; 10:46

Ja, ich mag ihn. Ich bin ein Freund des Menschen Niko Kovac. Er ist geradlinig und ehrlich. Ein Mensch den man gerne als Freund hat. Als Trainer hat er mit Frankfurt eine sehr starke Leistung gezeigt. Er hat Stallgeruch, er kann deutsch. All das hat ihn legitimiert den FC Bayern zu trainieren. Er hatte nach einem tollen Start 2018 einen sehr schweren Herbst, aber er blieb sich treu und kämpfte sich da raus. Eine tolle Leistung, die am Ende mit dem Double belohnt wurde. Das hat mich sehr gefreut. Für ihn, weil er sich das einfach verdient hat.

Nach dem ersten harten, aber auch erfolgreichen Jahr folgte ein etwas holpriger Transfersommer, auch dem Fakt geschuldet, dass bereits im Frühjahr ein Weltmeisterduo verpflichtet wurde. Die Sommerpause war lang und die Transferperiode wurde lebhaft diskutiert. Am Ende hatte Kovac aber eine mehr als ordentliche Mannschaft zur Verfügung. Nach einem unnötigen 2:2 gegen Hertha lief die bayerische Maschine. Aber wie im letzten Jahr fing sie wieder an zu stottern, dazu ständiges Diskutieren um Personen, beispielhaft um Thomas Müller.

Ein Blick in die Vergangenheit ist in solchen Situationen meist hilfreich. Es ist ja nicht so, dass der FC Bayern die letzten 100 Jahre jeden Gegner in jedem Spiel dominiert und mit mindestens 4 Toren Unterschied abgeschossen hat. Wir hatten schon mehrfach solche Phasen, selbst im erfolgreichsten Vereinsjahr 2012/2013 – Stichwort Bate Borissov. Was im Herbst zählt sind Ergebnisse, nach der Art frägt im Frühjahr meist keiner mehr. Aber nicht wenige erwarten in jedem Spiel ein Spektakel, wenn es nicht läuft wird gemeckert. Dabei heißt es ja im Vereinslied „in guten wie in schlechten Zeiten immer zueinander stehen“, aber auch das gerät bei schlechten Leistungen wohl in Vergessenheit. Gerade im Pokal war auch das letzte Jahr nicht besonders erquickend. Am Ende stand der goldene Pokal.

Ja, was die Bayern in den letzten Spielen gegen Paderborn, Hoffenheim, Augsburg, Piräus, Union und Bochum gezeigt haben, ja schön ist was Anderes. Immerhin stimmen die Ergebnisse zumeist. In der CL mit voller Punkteausbeute, bei 2 Auswärtsspielen. Im Pokal im Achtelfinale und in der Liga nach mäßigem Start und teils irrtirender Leistungen gefühlt auf einem Abstiegsplatz, faktisch aber fast Tabellenführer.

Bayern im Herbst 2019. Trainer, Mannschaft, Vorstandschaft und Fans sind unzufrieden mit dem Status quo. Woran liegt’s? Wer erinnert sich noch an das letzte Bundesligaspiel von Jupp Heynckes als Bayerntrainer? 1:4 gegen Stuttgart, eine furchtbare Leistung, gefolgt von der Finalniederlage im Pokal. Schon da zeigten sich die jetzt immer wieder auftretenden Probleme. Meist lag’s an der Einstellung. Als Gegenbeispiel Lewandowski. Was eine Maschine. Aus dem kühlen Egomanen ist ein Teamplayer geworden, der aktuell knipst wie noch nie. Aber irgendwas stimmt in dieser Mannschaft nicht. Nach den Abschieden von Lahm, Schweinsteiger und Alonso scheinen es Müller, Neuer und der hyperaggressive Kimmich nicht zu schaffen die Mannschaft als totale Einheit zusammen zu schweißen. Manuel Neuer schimpft seit Wochen öffentlich wie ein Rohrspatz. Zu recht, aber irgendwie ändert sich nichts. Ein angezählter Müller muss eine Rolle spielen. Kein Stammspieler mehr, aber wichtige Bezugsperson. Er muss vorangehen, obwohl er nicht mehr gesetzt ist. Schwierig.

Ich mag Kovac. Er ist so ehrlich. Zu ehrlich?

„Frankfurt hat die besten Fans der Liga.“

Ja, ich war schon in Frankfurt, die machen echt Stimmung. Letztes Jahr Europaleague. Frankfurt kennt jetzt jeder in Europa. Was er sagt stimmt, aber sollte man als Bayerntrainer diese Meinung eher privat äußern.

„Es liegt nicht am System. Wenn die Spieler das umsetzen was ich ihnen vorgebe, dann haben wir kein Problem.“

Ja, auch das ist sicherlich richtig. Aber wenn die Spieler seine Vorgaben nicht umsetzen, dann hat er seine Mannschaft vielleicht schon verloren.

Ehrlich. Zu ehrlich.

Jetzt Frankfurt und Dortmund. Wenn die Mannschaft da nicht liefert, könnte sich Kovac mit Uli verabschieden.

Ob ein anderer Trainer was bringt?

Ancelotti konnte die Mannschaft nicht in die Spur halten. Guardiola wurde den Spielern irgendwann zu anstrengend, auch hier gab es trotz Dominanz grottige Spiele. Selbst ein Jupp Heynckes konnte sie zum Ende der Saison nicht mehr komplett auf Linie trimmen. Eine ganz schwierige Gemengelage.

Mit welchen Alternativen beschäftigt sich Kalle?

ten Hag? Zidane? Pochettino? Mourinho? Alonso? van Bommel? Rangnick? Nagelsmann? Hasenhüttl?

ten Hag ist wohl der heißeste Name. Sogar Ajax hat schon signalisiert, dass sie ihm keine Steine in den Weg legen.

Zidane passt zur French Connection, aber er hat zwar mit einer Monstermannschaft und extrem viel Dusel -bevorzugt gegen uns und Atletico- dreimal die CL gewonnen, aber das Comeback ging völlig in die Hose.

Pochettino stürzt gerade mit Tottenham ab. Problem Sprache.

Mourinho? Bitte nicht. Den schönen Fussball hat er nicht erfunden.

Alonso? In ein paar Jahren sicher eine super Sache. Dito Nagelsmann.

Van Bommel? Hmmm… so recht hab ich ihn als Trainer nicht auf dem Schirm.

Hasenhüttl ist auch irgendwie verschwunden, immerhin hat er sich mit dem 0:9 seines Teams wieder in Erinnerung gebracht.

Rangnick? Super Fußball-Sachverstand, passt denke ich auch zu Kalle. Hmmm …

Bitter für Niko. Jetzt diskutiere ich auch schon Namen. Es scheint aber so als hätte sich der ehrliche Niko schon abgenutzt. 😦

Ich mag Kovac. Als Menschen. Aber leider beschleicht mich immer mehr das Gefühl, dass die Ehe Kovac/Bayern bald zu Ende geht. Wohl spätestens im Sommer. An eine Vertragserfüllung glaube ich nicht mehr. Und wenn die nächsten beiden Spiele in die Hose gehen und ten Hag / Rangnick bereitstehen, dann geht Niko gemeinsam mit Uli.

 

… in guten wie in schlechten Zeiten …