Triple, Goldene Saison oder eine Rekordsaison ohne Wert?

Um die Überschrift verstehen zu können muss ich wohl etwas weiter ausholen, um den Bogen dann zur morgen stattfindenden CL-Halbfinalauslosung zu spannen.

2010. Bayern war müde und wohl auch ein bißchen satt. Klar, zwischen einzelnen Ausrutschern holten sie von 1997 bis 2010 neun (!) Meistertitel. Ein richtig ernsthafter und dauerhafter Gegner war nicht zu erkennen.

1997 konnte Bayern nach 2 BVB-Meisterschaften den Titel wieder nach München holen

1998 wurde der unterschätzte Aufsteiger aus Kaiserslautern Meister

1999-2001 schlug das Imperium eindrucksvoll zurück

2002 das letzte Zucken der bankrotten Ruhrpott-Borussia

2003 schlägt Bayern zurück

2004 „musse Ailton Feue mache“

2005, 2006 holt Felix Magath das Double

2007 riecht Schalke an der Schale, aber der VfB macht’s letztendlich

2008 verabschiedet sich der Titan mit der Schale in den Ruhestand

2009 verwirklicht sich der VW-Konzern einen Traum

2010 sind die Bayern „die Besten von Deutschland und vielleicht …“. Nö, Mou und Inter sind im Finale einfach besser. Kein Triple.

Bis hier her hatten die Bayern zwar immer Verfolger und einer dieser Selbigen wurde auch mal Meister (außer Schalke 😉 ), aber einen ernsthaften und nachhaltigen nationalen Gegner hatten die Bayern die letzten fast 15 Jahre nicht.

2011 der nächste Überraschungsmeister. Nach dem letzten Zucken aus 2002 holt die gelbe Borussia überraschend, aber verdient den Titel.

2012 rechnet alles mit der Rache des Imperiums, aber siehe da, der BVB holt die bis dato punktbeste Meisterschaft und deklassiert Bayern im DFB-Pokalfinale.

Alles nicht so schlimm, denn das Hauptziel war eh das „Finale dahoam“. Der Traum wird Wirklichkeit, aber an diesem besagten Tag ist irgendeine andere Macht am Werk und Bayern kann mind. drei Matchbälle nicht nutzen und steht am Ende der Saison wie weiland Bayer Leverkusen mit drei zweiten Plätzen da.

Puh.

Also alles nochmal durchdenken. Zwei Sachen passen auf einmal nicht mehr. Der „Ausrutschermeister“ wird zum harten Konkurrenten und das große Ziel wird medial zum „Drama dahoam“. Grund genug sich zu hinterfragen, denn national wurden wir in den letzten 15 Jahren nur vereinzelt und wenn von unterschiedlichen Mannschaften temporär gefordert.

Analyse. Verstärkungen. Demut. Volle Konzentration.

Sammer mahnt und treibt an.
Heynckes zieht spieltaktisch die richtigen Schlüsse.
Die Einkäufe sitzen volle Kanne!

Es passt, es läuft.

Diese Saison wird bundesligatechnisch als die beste aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen. Startrekord Vorrunde, Startrekord Rückrunde, beste Punkteausbeute, meiste Siege, beste Auswärtsbilanz, möglicherweise die wenigsten Gegentore gesamt, usw. usf.

Im DFB-Pokal mit einem Heimspiel im Halbfinale (Vorsicht, war 2011 auch so – Sieger Schalke) gegen Wolfsburg, die potenziellen Endspielgegner aus Baden-Württemberg. Machbar, aber auch diese (hoffentlich) zwei Partien müssen erst gespielt und noch mehr gewonnen werden.

Bleibt die Königsklasse.
Wow, was müssen Bayernfans leidensfähig sein. Steigt der Lieblingsclub ab, so gibt es eine berechtigte Chance in der kommenden Saison mehr Siege als in der abgelaufenen zu feiern, ggf. kann man am Ende sogar den Aufstieg feiern. Aber Bayernfan zu sein heißt auf höchstem Niveau leidensfähig zu sein. Warum? Ja wie groß muss die Liebe zu einem Verein sein, wenn man von den letzten sechs Landesmeister-/Championsleaguefinals fünf (!) – in Worten „fünf“ – zumeist unglücklich verliert (vgl. Artikel). 1982 und 1987 die bessere Mannschaft, 1999 der Sekundentod in der Nachspielzeit, 2001 der ersehnte Sieg, 2010 an einer besseren Mannschaft gescheitert, 2012 an sich selbst. Wow, dass ist echte Liebe!

Zurück zur aktuellen Situation.

Barca, Real, Dortmund und Bayern.
Da stehen die aktuell stärksten Vereine in Europa im Halbfinale der Championsleague.

Morgen Auslosung.

Die Gegner:
Real. Wohl der aktuell stärkste Gegner. Real kommt mit Tempo und Wucht. Gefährlich. Eine top besetzte Offensive. Einziger Schwachpunkt ist wohl der Glaube in die eigene Stärke und eine damit latent einhergehende Überheblichkeit.

Barca.
Eigentlich die beste Vereinsmannschaft der Welt. Was sie im Stande zu leisten sind haben sie im Rückspiel gegen Milan gezeigt, aber irgendwie ist ein bißchen Sand im Barca-Getriebe und die Abhängigkeit von Messi ist eindeutig. Barca macht mir nicht den besten Eindruck, aber vielleicht liegt genau darin die Stärke der Katalanen.

Dortmund.
Der Wunschgegner von Uli Hoeneß. Mag arrogant klingen, aber mal ehrlich Real und Barca sind schon noch andere Kaliber als der BVB. Wohl wirklich der „einfachste“ der verbliebenen Gegner, aber vielleicht auch der „blödste“ für Bayern. Warum?

Das hat mehrere Gründe.

Zwar ist Bayern in diesem Jahr in drei Vergleichen zweimal als Sieger vom Platz gegangen (dazu ein Remis) und wesentlich stabiler als in den vergangenen beiden Jahren, aber Dortmund könnte mit zwei (oder vielleicht auch nur einem) Klassespiel die Saison der Bayern – egal ob Bayern das Double holt und/oder eine Mega-Buli-Saison spielt – kaputt machen. Entweder weil sie die Bayern in zwei Spielen (wohl schwieriger) im Halbfinale rauswerfen, oder sie in nur einem Spiel (Finale!) schlagen (mei, ein Spiel – kann immer mal dumm ausgehen; 1982-1987-1999-2012) und selbst den Titel holen (vgl. Artikel). Zugegeben beides eine grausame Vorstellung.

Andererseits…

Spielt Bayern in diesem Jahr deutlich stärker als in den Saisonen 2010 bis 2012 und Dortmund macht aktuell nicht den souveränsten und stabilsten Eindruck. Dieser kann aber bekanntlich auch täuschen. Denn eines ist klar, Dortmund hat nur noch in diesem Wettbewerb die Chance die grandiose Saison der Bayern zu „versauen“.

Wie auch immer. Die Ziehung kann eh nur die Uefa beeinflussen, also müssen wir nehmen was kommt.

Am schwierigsten für Bayern sehe ich Real, am einfachsten aber deshalb auch gleichzeitig „gefährlichsten“ den schwarz-gelben BVB, der Mittelweg wäre demnach Barca, allerdings lt. Ruf die beste Vereinsmannschaft der Welt. Wen wir bekommen kann ich nicht sagen, bei welchem Gegner aber mein Puls in den jeweiligen Spielen am höchsten ist weiß ich jetzt schon. Mit Schrecken denke ich an das DFB-Pokalspiel zurück. 🙂 Aber es ist ja gut ausgegangen. 🙂

Zu Guter Letzt noch eine interessante Randnotiz: „Um die CL gewinnen zu können, musste man in den letzten 5 Jahren entweder Barca im Halbfinale besiegen, oder eben Barca sein!“

2008 – ManU (Barca im Halbfinale besiegt)
2009 – Barca
2010 – Inter (Barca im Halbfinale besiegt)
2011 – Barca
2012 – Chelsea (Barca im Halbfinale besiegt)

Also – her mit Barca! 😉

Gut, dann wäre der Traum vom Triple und auch noch die „Goldene Saison“ drin.

Was meint der Zappi eigentlich mit „Goldener Saison“? Das „Triple“?

Nö… nicht nur.

Ganz einfach. Je mehr uns jemand ärgert, desto größer soll unsere „Rache“ (harter Begriff, eher in dem Sinn zu verstehen, auf die Erfolge der „anderen“ nicht nur einen, sondern gleich mehrerere drauf zu setzen) sein. In diesem konkreten Fall den BVB in der Bundesliga extrem zu distanzieren, parallel dazu deren vorherige Saisonrekorde zu pulverisieren, sie zudem eigenhändig aus dem Pokal zu werfen und ihnen selbiges auf europäischer Ebene zuzufügen und letztendlich beides mit einem Sieg im jeweiligen Wettbewerb zu vergolden.

Also doch erst Barca, um Dortmund in einem Finale zu schlagen.

Ja, so lautet mein Plan und meine Definition einer „Goldenen Saison“ – das Triple holen und den „Ärgerer“ in jedem Wettbewerb eigenhändig rauswerfen, bzw. „bächtig möse“ zu distanzieren.

Aber vor die „Goldene Saison“ oder ein eventuelles „Triple“ hat der liebe Gott erst die Auslosung morgen gesetzt und bevor der erste Ball im CL-Semifinale rollt findet die nationale Pokalvorschlussrunde statt, vielleicht sind da dann schon alle Pläne, Definitionen und Wünsche nichts mehr wert, falls hoffentlich doch noch findet erst nach dem CL-Finale in London die letzte große Show der Saison 2012/2013 im Berliner Olympiastadion statt. Aber spätestens dann sind wir alle schlauer.

Welche Überschrift trägt dann diese Bayernsaison…

RekordRekordmeister?
Doublesieger?
Triplesieger?

Oder gar doch die „Goldene Saison“?

Der liebe (Fussball-)Gott lässt dich immer mal wieder leiden, aber diese Leiden werden auch immer mal wieder belohnt (1999 über 2000 bis 2001).

Es wird Zeit mal wieder Deine Roten aus München zu belohnen. Danke!

Auf geht’s ihr Roten – kämpfen und siegen!!!
Nur der FCB!!!

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2 Responses to Triple, Goldene Saison oder eine Rekordsaison ohne Wert?

  1. […] Mit jedem verlorenen Endspiel steigt die Wahrscheinlichkeit endlich mal zu gewinnen. Vielleicht endet die Geschichte vom “Finaldepp” mit der “goldenen Saison“. […]

  2. […] Trainer gönnen wohl nicht wenige das Triple. Ich hatte ja schon vor einigen Wochen von der “goldenen Saison” geschrieben. Jetzt ist es tatsächlich so […]

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