Der Finaldepp

Der Finaldepp.
Nein, damit sind etwa einzelne Spieler oder sonst irgendwer gemeint. Damit meine ich mich ganz persönlich.

Lassen wir mal 1982 weg, als Bayern hochüberlegen gegen Aston Villa mit 0:1 verloren hat. Kann sein, dass ich´s gesehen habe, aber eine Erinnerung daran habe ich nicht. Schon viel mehr an 1987 in Wien, als Wiggerl Kögl uns mit einem wunderschönen Flugkopfballtor in Führung brachte, aber Rabah Madjer das Hackentor erfand und Bayern derart geschockt gleich 3 Minuten später noch ein Ding kassiert hat.

Oder nehmen wir die Mutter aller Niederlagen 1999 im Camp Nou gegen ManU. Wer war live dabei? Eben. Da spielt es auch keine große Rolle, dass ich 1996 auch in Bordeaux dabei war. UefaCup. Schön um die Vitrine komplett zu machen, aber ja schön halt.

2001. Wow. Klotz Andersson macht in Hamburg das 1:1 und nur 2 Tage später sollte es „zum Geschichte schreiben“ nach Mailand zum Finale gegen Valencia gehen. Ja, neben dem Triumph der Bayern wurde auch noch eine weitere Geschichte über Freundschaft und Verrat geschrieben. Mit meiner Karte saß ein anderer im Stadion.

Das Kapitel „Freundschaft“ wurde 2010 neu geschrieben. Ein freies Ticket wurde mir vom damals ebenfalls betrogenen Karteninhaber übergeben. Die Versöhnung mit 1999 und 2001 schien so nah, aber Inter war an diesem Tag einfach besser. Wieder nix.

Unfassbares in diesem Jahr. Das von Uli Hoeness vehement geforderte „Finale dahoam“ wird echt. Wirklichkeit. Realität. Nicht gegen Barca, aber gegen Chelsea. Nicht schön, aber unangenehm. Wie´s gelaufen ist wird man sich noch in etlichen Jahren in der Zukunft am Stammtisch erzählen. Oder einfach schweigen, so wie ich zu diesem Spiel. Komischerweise beschlich mich schon ganz zu Beginn des Spiels ein seltsames Gefühl, auch meine Äußerungen die Tage zuvor „mia dads ja stinkn, wenn ma ausgerechnet gegen die Engländer im Oifaschiassn valiern dadn“ waren wohl nicht hilfreich und brachten den Fussballgott auf den Plan mal wieder etwas lustiges einzustreuen. Ja danke auch.

Manch einer wird jetzt vielleicht „Jammern auf hohem Niveau“ als Gegenargument anführen. Klar. Meisterschaften und Pokale haben wir zuhauf, wenn auch nicht gerade in den letzten beiden Jahren. Klar kommt das auch wieder. Ich denke nicht, dass es 5 oder 6 Jahre dauern wird bis wir wieder Meister werden. Oh, Vorsicht Fussballgott hört mit. Nein, es sind die besonderen Momente. Championsleague. Dann auch noch das Finale. Daheim. Da steckt schon sehr viel drin. Ich stelle mir da echt die Frage was schlimmer ist. Ein verlorenes Finale dahoam oder ein Abstieg aus der Bundesliga? Für mich gibts da eine ganz klare Antwort. Das Finale ist weg. Es kommt nicht wieder. Was passiert aber bei einem Abstieg? Man gewinnt in der Regel deutlich mehr Spiele als in der vergangenen Saison, hat dadurch mehr Spaß und steigt vielleicht sogar gleich wieder auf. So schlecht ist das nicht, lässt man jetzt mal wirtschaftliche Belange außen vor. Rein emotional ist ein verlorenes Finale als Fan viel schwerer zu verkraften als ein Abstieg. So sehe ich das zumindest.

5 Finals miterlebt, 4 davon verloren, beim siegreichen wurden mir die Karten auf hinterhältigste Weise entwendet. Finaldepp. Bin ich der Finaldepp? Scheint fast so. Aber eines hab ich in meinem Fussballer- und Fanleben gelernt. Es hat alles einen Zweck und es kehrt sich alles früher oder später mal um. Ich denke sogar, dass Schalke irgendwann wieder Meister wird. Sehr gewagt, aber warum nicht.

One Response to Der Finaldepp

  1. […] fünf (!) – in Worten “fünf” – zumeist unglücklich verliert (vgl. Artikel). 1982 und 1987 die bessere Mannschaft, 1999 der Sekundentod in der Nachspielzeit, 2001 der […]

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